Schrei nach Anerkennung

Wahrgenommen werden und Anerkennung sind uns allen ein großes Bedürfnis. Kinder fordern sie oft lautstark ein: „Mama, Papa, schau mal!“ Im Laufe der Jahre wird dieser Schrei leiser und leiser. Doch das bedeutet nicht, dass das Bedürfnis kleiner wird. Vielleicht haben wir nur gelernt, es nicht mehr so wahrzunehmen. Als Erwachsene sollen wir schließlich frei sein von dem, was andere von uns denken.

Trotzdem entstehen wirkliche Glücksgefühle, wenn der Chef seine Anerkennung mit einem ausgesprochenen – vielleicht sogar öffentlich ausgesprochenen Lob zeigt. Doch oft ist es noch wertvoller, wenn es ein sehr nahestehender Mensch, ein Familienmitglied ist, das Anerkennung schenkt. Vieles sind wir bereit, dafür zu investieren. Denn Anerkennung scheint ein wertvolles, weil rares Gut zu sein.

Gibt es zu wenig Anerkennung?

Klar, wer selbst Anerkennung erfahren will, tut gut daran, auch anderen mit Anerkennung zu begegnen. Das wissen wir und dennoch wenden wir es in der Praxis viel zu wenig an. Warum ist das so? Bestimmt nicht, weil wir dem anderen nichts gönnen. Vielleicht eher, weil es einfach untergeht, nicht präsent ist, so viel anderes die Aufmerksamkeit an sich reißt. Und es wäre alles einfacher, würden wir selbst Anerkennung bekommen und hätten wir jemals so ganz satt und bedingungslos Anerkennung erfahren.

Um dieses Defizit zu decken, versuchen wir in der Regel unbewusst, von anderen dieses Bedürfnis gestillt zu bekommen. Sind wir uns der Situation bewusster, erkennen wir meistens, dass da etwas anderes eine große Rolle spielt: Geben wir uns selbst die Bestätigung, die wir für angemessen halten? Wie wertvoll ist das, was wir tun, und das, was wir sind, für uns selber? Schätzt du dich? – als Mensch? – einfach so, wie du bist?

Anerkennung für dich selbst!

“Na ja, erst müsste …”, “wenn ich das geschafft hätte …”. Wir wünschen uns von anderen die Anerkennung, die wir uns selbst selten zugestehen. Das Ur-Bedürfnis ist bedingungslose Anerkennung! Und die ist wirklich rar. Kinder lernen bald, dass sie für gute Leistungen gelobt werden. Und so handhaben wir es mit uns selbst auch: Wir dürfen uns selbst auf die Schulter klopfen, wenn wir etwas gut gemacht haben.

 

 

Anerkennung ist deshalb so rar, weil die Anlässe, die Anerkennung begründen würden, beschränkt sind.

Dabei gehört Ansehen zu den „Gütern“, die sich vermehren, wenn sie geteilt werden. Die in unserer Gesellschaft offensichtliche Verknappung daran entspricht nicht dem natürlichen Prinzip. Hier scheint ein Sparsamkeits-Filter zu wirken. Gefühlter Mangel veranlasst uns, die knappen Ressourcen zu schonen, auf Effektivität zu achten, sie ganz gezielt einzusetzen.

Was machen diese Worte in diesem Zusammenhang mit dir? Das kann man so nicht sagen?
– Sicher steht da keine bewusste Überlegung oder Entscheidung dahinter. Und ziemlich sicher würden wir das sehr gerne anders umsetzen. Da ist etwas unbewusstes in uns, das uns glauben lässt, es ist eben so. Weil es schon immer so war. Und die Rückschau auf unser bisheriges Leben bestätigt das meistens.

Mangel an Bestätigung in der Vergangenheit

Das Bekannte aus der Vergangenheit bildet den Maßstab, mit dem wir die aktuelle Situation messen. Anders geht es nicht. Um etwas neues zu erfahren, ist es notwendig, etwas neues zu denken und sich auf das Feld der – unbekannten – Möglichkeiten einzulassen: Wie ist dein Blick auf deine Vergangenheit? Welche Geschichten kennst du in- und auswendig? Etwa so eine: „Verdiente Anerkennung wurde dir versagt, du konntest nichts dafür, du wurdest schlecht behandelt?“

Die Situation war wohl so, wie sie war. Doch die Bewertung hast du sofort, oder im Laufe der Zeit hinzugefügt. „Das hat mich verletzt.“ „Das hätte man nicht sagen dürfen.“ „Ich hatte keine andere Wahl.“ Die erste Bewertung entsteht in der Regel unbewusst und emotional geprägt – mehr ein Gefühl als eine durchdachte Sache. Mit jeder gedanklichen Wiederholung wird die Annahme sicherer und irgendwann zur Gewissheit. Ursache, Wirkung und Rollen sind klar verteilt, Gewinner und Verlierer festgelegt. Ein weiterer Maßstab für die Zukunft ist fertig.

Bei den meisten sind diese Maßstäbe wohl keine Lorbeerkränze. Weder schlechte Verlierer noch Opfer oder Täter verdienen Anerkennung. Und deshalb folgen beim automatischen Nutzen der Maßstäbe in aktuellen Situationen entsprechende Ergebnisse: Anerkennung verwehrt. Dabei ist es egal in welcher Richtung. Ob es darum geht, Anerkennung zu bekommen oder sie anderen zu schenken. Und weil besonders viele dieser Maßstäbe im familiären Umfeld geprägt wurden, wirken sie sich dort besonders nachhaltig aus.

Das Ur-Bedürfnis nach bedingungsloser Anerkennung

Was ist jetzt zu tun? Das Ur-Bedürfnis nach bedingungsloser Anerkennung ist da. Und die Sammlung mit den Maßstäben auch, die nicht dazu passen. Hast du jetzt Sehnsucht nach einer Zauberformel? Schnell alles wegzaubern? Und dann endlich genießen?

Maßstäbe entstehen ständig neu. Mit jeder bewussten oder unbewussten Bewertung über eine aktuelle, vergangene oder zukünftige Situation wird ein neuer Maßstab geschaffen. Es ist eine Folge der bewussten und unbewussten Gedanken und davon, ob wir akzeptieren, dass etwas so ist, wie es ist.

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Die Art und Weise wie wir die Welt sehen ist in den ersten Lebensjahren geprägt und in unserem Unterbewusstsein verankert worden. Die bunte Mischung aller Eindrücke und Erfahrungen dieser Zeit ist heutzutage unser Referenzmaterial, um die Umwelt wahrzunehmen und Situationen zu bewerten. Nach außen zeigt sich diese Prägung als unsere Lebenseinstellung.

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Zusammenfassung
Schrei nach Anerkennung
Schrei nach Anerkennung
Kurzbeschreibung
Wahrgenommen werden und Anerkennung sind uns allen ein großes Bedürfnis. Im Laufe der Jahre wird dieser Schrei leiser und leiser. Doch das bedeutet nicht, dass das Bedürfnis kleiner wird. Vielleicht haben wir nur gelernt, es nicht mehr so wahrzunehmen. Trotzdem entstehen wirkliche Glücksgefühle, wenn uns jemand lobt. Denn Anerkennung scheint ein wertvolles, weil rares Gut zu sein.
Autor
Spiel deines Lebens

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