Verstehen bekommt immer nur den Trostpreis

Es kann doch gar nicht so schwer sein, etwas zu verstehen ?! Von klein an sind wir daran gewöhnt, Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten. Dennoch verursacht vieles, das so rund herum passiert, Fragezeichen in uns. Diese Dinge beschäftigen uns dann immer wieder und wir geben uns viel Mühe damit, denn etwas nicht zu verstehen, ist in der Regel ziemlich unbefriedigend.

Als Grundlage für das Verstehen, ist heutzutage Wissen jederzeit und unkompliziert verfügbar. In jedem Bereich gibt es Kurse, Anleitungen, Bücher. Alle zusammen sind sie so voller Weisheiten, dass es eigentlich keinerlei Schwierigkeiten und Probleme auf der Erde mehr geben dürfte. Dass die Realität häufig anders ist, spiegelt eine Lücke zwischen dem Wissen und der Erfahrung.

Wir haben den Anspruch sowohl die großen Zusammenhänge als auch die kleinsten Details über unsere Umwelt zu wissen. Gleichzeitig möchten wir verstehen, was im Inneren der Menschen auf der emotionalen und seelischen Ebene vorgeht. Diese Forschungen beschäftigen uns immerzu und unbegrenzt. Wir hoffen, dass ein möglichst großes Verständnis wenig Probleme und ein einfaches, erfolgreiches Leben zur Folge hat.

Für Verstehen ist der Verstand zuständig

Verstehen findet im Gehirn statt. Wir sprechen von rational und verbinden damit Objektivität. In unserer heutigen Zeit gilt der objektive Umgang mit Menschen und Situationen als wichtiges Gebot und allgemeiner Konsens. Aber tun wir uns damit wirklich einen Gefallen? Es geht wohl den meisten ebenso wie mir, dass es sich unbehaglich anfühlt, wenn man sich anhand objektiver Kriterien in eine Schublade eingeordnet wiederfindet. Schließlich bin ich in meinen Eigenarten ganz individuell und möchte auch so wahrgenommen werden.

Verstehst du Spaß? Kann man Spaß verstehen? Da geht es doch um eine theoretische Diskussion über irgendeine Situation. Das Ausleben freudiger Gefühle steht nicht im Mittelpunkt. Sonst hätte ich doch gerade Spaß. Wenn ich Glück habe, passiert auch etwas anderes in mir, als wenn ich glücklich bin. In der Sprache drücken wir oft das theoretische der Verstandesebene aus.

Nur der Trostpreis soll für das Verstehen vorgesehen sein?! Wir verwenden sehr viel Zeit, Aufmerksamkeit und Energie darauf und üben uns ständig im besseren Verständnis. Für was gibt es den Hauptpreis? Und machen wir einen Fehler?

Verstehen ist kein Gefühl

Als Gegenpol zum objektiven Verstehen könnte man das empathische Mitgefühl setzen. Objektivität verursacht immer eine gewisse Distanz. Die zunehmende Vereinzelung und Vereinsamung vieler Menschen in unserer Gesellschaft sind auch ein Ausdruck davon. Wechselt man von der Verstandesebene auf die Herzebene und nimmt sein Umfeld mit einem geöffneten Herzen wahr, entsteht automatisch Nähe und Verbundenheit.

Das Leben ist kein theoretisches Projekt sondern ein praktisches Abenteuer. Wie ein Segeltörn ist, können wir nicht wissen, solange wir uns an Land damit beschäftigen, die Zusammenhänge zwischen Bootstyp und Windverhältnissen zu verstehen. Wenn wir die praktische Erfahrung von Wasser, Wind und Wellen machen, entstehen Gefühle von Aufregung, Glück, Freiheit, Größe, Demut oder andere. Das völlige Eintauchen in das Erlebnis macht die Erfahrung unvergesslich.

In der Interaktion mit anderen Menschen ist es dasselbe: Das gemeinsame Erleben und Teilen von Emotionen hat eine starke Wirkung. Sie unterscheidet sich, wenn wir versuchen, einen Zustand objektiv zu analysieren. Es ist nicht dasselbe, ob wir Gefühle erleben und uns Situationen ganz und gar hingeben oder ob wir aus sicherer Distanz darüber diskutieren und Gründe für Verhaltensweisen besprechen. Genau deswegen bekommt Verstehen immer nur den Trostpreis!

Verstehen ist Vergangenheit

Wir sind geneigt, alles, was uns begegnet, zu verstehen. Mit den Gedanken werden bereits vergangene Situationen in den aktuellen Moment geholt. Dadurch wird die Wahrnehmung des Augenblicks verhindert. Der Verstand beschäftigt sich ebenso gerne mit zukünftigen Dingen. Ein Ereignis könnte vielleicht irgendwie eintreten. Da keiner weiß, wie es kommen wird, werden vergangene Erfahrungen in die Zukunft übertragen. Der Automatismus des Verstandes hat keine andere Möglichkeit. Auch das lenkt die Aufmerksamkeit vom Augenblick weg.

Echte Erfahrungen können nur in der Präsenz im Augenblick gemacht werden. Während tiefer Erfüllung und Lebendigkeit gibt es keine Gedanken an Vergangenheit oder Zukunft und Verstehen spielt keine Rolle. In deinen intensivsten Momenten hast du nicht nachgedacht.

Wir verhalten uns so, als ginge es darum, das Leben zu verstehen. Dabei kommt es darauf an, Erfahrungen zu machen und das Leben zu leben.

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Zusammenfassung
Verstehen bekommt immer nur den Trostpreis
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Kurzbeschreibung
Es kann doch gar nicht so schwer sein, etwas zu verstehen?! Von klein an sind wir daran gewöhnt, Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten. Dennoch verursacht vieles, das so rund herum passiert, Fragezeichen in uns. Diese Dinge beschäftigen uns dann immer wieder und wir geben uns viel Mühe damit, denn etwas nicht zu verstehen, ist in der Regel ziemlich unbefriedigend.
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